Sechs Höfos, Vier Tage, ein Höhlensystem – Während der ersten Forschungstour 2008 konnten weitere Teile des Almberg- Höhlensystems begangen und vermessen werden.

Wochenlang hatten wir im Vorfeld des 1.-Mai-Wochenendes geplant und organisiert. Täglich kontrollierten wir im Web die Schneehöhen der umliegenden Messstationen des örtlichen Lawinenwarndienstes, lasen die Lawinenlageberichte und checkten die Wetterberichte für Steiermark und Ostalpen.
Am Mittwoch Abend war es dann soweit. Sven Wölfel und Thomas Bayn waren bereits vorausgefahren, als Thomas Weingärtner, Rahel Wagner, Martin Harder und Thomas-Michael Schneider in Nürnberg das zweite Auto bis unter die Dachkante voll stopften. Nach einigen Stunden Fahrt trafen wir uns im steirischen Grundlsee bei unserem Freund Gernot, um den Abend gemeinsam in Bier zu ertränken.
Der nächste Morgen fiel trüb aus. Nicht nur in unserem Kopf, sondern auch in den Bergen, herrschten dichte Nebelschwaden. Leichter Nieselregen verschärfte die Situation zusätzlich. Doch um keine Zeit zu verlieren entschieden wir uns kurzentschlossen für den Aufstieg, den wir Dank Gernots Einsatz mit dem Landrover noch merklich abkürzen konnten. Als wir gegen 9 Uhr mitten im steilen Gelände dann die schneefreie Zone verließen, hatte der Regen längst aufgehört. Auf Schneeschuhen quälten wir uns mit den jeweils gut 30 Kilo schweren Rucksäcken bergauf.

Aufstieg

Aufstieg

Sven

Sven



Um zwölf erreichten wir die Hochfläche und nur eine Stunde später waren wir auch schon am Höhleneingang. Zumindest waren wir dort, wo dieser im Sommer zu finden ist. In den Karstgassen lag nämlich an manchen Stellen der Schnee noch etwa 5-8m hoch. Anders wäre es nicht zu erklären, dass das Eingangsportal nahezu komplett verschlossen war. Mit der einzigen Schneeschaufel fingen wir also an zu graben. Zuerst an der Felswand nach unten, später dann unter der Höhlendecke entlang. Nach nur vier Stunden hatten wir ein gut 15m langes Treppenhaus ausgeschachtet, welches schließlich den Weg in die Höhle freigab. Übernächtigt, hungrig und konditionell angeschlagen nutzten wir den Rest des Tages zur Regeneration und unternahmen lediglich eine kleine Höhlenbefahrung zur Auswertung der Eisstandsmessungen.
Auch der erste Morgen im Höhlenbiwak lief zäh an. Bevor es losgehen konnte musste das Material sortiert und vorbereitet werden. Die Seile im Eiscrusher- Schacht waren im Vorjahr wegen Steinschlag ausgebaut worden, so dass deren Einbau unser erstes Ziel war. Trotz Tauwetter an der Oberfläche war der Scherbensiphon, der nur unweit hinter dem Eiscrusher liegt befahrbar. Über ihn gelangten wir in die hintersten bislang bekannten Teile des AHS. Über Spaltenhalle und Rio Negro erreichten wir den Panamakanal. Hier teilten wir uns in zwei Messteams auf und begannen an unterschiedlichen Stellen mit Vermessungsarbeiten. Erst spät in der Nacht legten wir wieder gemeinsam die zwei ein halb Stunden Weg ins Biwak zurück und krochen in die Schlafsäcke.

Gangprofil im AHS

Gangprofil im AHS

Eisfomationen in der Eingangshalle

Eisfomationen in der Eingangshalle




Schwertergang

Schwertergang

See

See



Auch am dritten Tag teilten wir uns in zwei Teams auf. Während die erste Gruppe diverse Vorhaben im Teil Schneekegelhöhle anging, forschte das zweite Team am Forschungsendpunkt des Vortages weiter.
340m Ganglänge konnten an diesen zwei Tagen vermessen werden. Dabei entstand erneut ein Ringzug mit 228 m Messzuglänge und einer Abweichung von nur 1,1 m. Die Gesamtganglänge des neu vermessenen Almberg-Höhlensystems steigt damit auf 3.678m. Die offizielle GGL bleibt jedoch vorerst bei den vorveröffentlichten 8.414m.
Sonntag Vormittag verließen wir unser Biwak und gingen an die Oberfläche. Dort erwartete uns strahlender Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel. Es dauerte ein wenig, bis sich unsere Augen an das gleißende Licht gewöhnt hatten und wir die grandiose Winterlandschaft um uns herum genießen konnten. Ein kurzer Check des aktuellen Lawinenlageberichts und wir machten uns wieder auf ins Tal. Vier perfekte Tage – unter Tage – lagen hinter uns. Großes Lob an die Mannschaft: In so einem Team macht Höhlenforschung Spaß!

Forschungsteam

Forschungsteam



Thomas-Michael Schneider
13. Mai 2008 | Tags: , , | Kategorie Almberg-Höhlensystem


Hungerbrunnen im Leinleitertal aktiv AHS – Vermessung zwischen Nord und Süd

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