Teilnehmer:
Thomas Schneider., FHKF VHO
Sven Wölfel, FHKF VHO
Thomas Bayn, FHKF

Vom 27. – 30.10.2006 wollten wir im Schneekegelteil des neuen Almberg-Höhlensystems einen erneuten Vorstoß in die Tiefe wagen.
So traf ich mich mit Thomas S. in Altdorf von wo aus wir uns gemeinsam auf den Weg nach Regensburg machten.
Hier sammelten wir noch Thomas B. ein, der hier einen Akkuschlagbohrer von Bosch zum Testen bekommen hatte.
Dann ging’s ab zum Grundlsee. Nach unserem standardmäßigen Stopp bei Mc D. in Liezen trafen wir um 19:00 Uhr am Parkplatz unterhalb des Backensteins ein. Schnell noch das Gepäck aufgeteilt und Punkt 19:19 ging es dann los Richtung Schneekegeleingang.
Im Stockfinsteren kämpften wir uns den Berg hinauf und trafen ziemlich erschöpft um 23:00 im Biwak ein. (Wie schön ist doch der Transport mit der Appelhausseilbahn) Da wir für den nächsten Tag einen Vorstoß in den Traumcanyon geplant hatten, gab es nur noch kurz was zum Essen und dann ging’s ab in die Schlafsäcke.

Am Samstag früh gab es dann für Thomas B. kein Halten mehr.
Während Thomas S. und ich gerne noch ein Auge zugedrückt hätten, hüpfte er wie Rumpelstilzchen durchs Biwak und bewegte uns letztendlich doch noch zum Aufstehen.
Nach einem kurzen Frühstück wurden dann die Seile und diverses Befahrungsmaterial in die Schleifsäcke verpackt.
Nachdem alles verstaut war machten wir uns hoffnungsvoll auf um in neue Tiefen des Almbergsystems vorzustoßen.
Wie wir jedoch schon auf dem Anmarsch zum Schacht feststellen konnten, musste es wohl über Nacht sehr stark geregnet haben.

Aus allen Ritzen tropfte das Wasser, so dass wir mit jedem Meter Richtung Canyon weniger Hoffnung auf einen Vorstoß hatten. Am Schacht angekommen wurde dann erstmal eine zweite Aufhängung eingebohrt bevor es für mich ab in die Tiefe, bis zur ersten Zwischenstufe ging.
Schon während dieser ca. 25m wurde es zur Gewissheit, dass wir hier heute keinen Tiefenvorstoß machen würden.
Von allen Seiten und aus allen Ritzen schoss das Wasser in den Canyon und verlor sich in der Tiefe. Während am oberen Rand des Canyons Thomas und Thomas das Lot neu einrichteten, machte ich es mir auf dem ca. 2m x 1m breiten Felssims bequem.
Hier wurde ich auch Zeuge des spektakulären Tiefenvorstoßes einer Taschenlampe die Thomas B. großzügiger Weise spontan zur Verfügung gestellt hatte. Mit Krachen und Scheppern schlug diese neben mir ein, bevor sie sich leuchtend in den scheinbar unendlichen Tiefen des Canyons verabschiedete.
Nachdem sich auch noch ein paar Steine selbständig machten und krachend hinter der Taschenlampe hereilten, beschlossen wir die Tour in den Canyon abzubrechen und den Rückzug ins Biwak anzutreten.
Schnell noch die Seile verstaut und das restliche Material eingepackt und ab ging’s ins Biwak
wo erst einmal ein paar Nudelgerichte vernichtet wurden.
Während Thomas B. noch einige Teile in der näheren Umgebung vom Biwak besichtigte kehrte gegen 23:00 wieder Ruhe in der Höhle ein.

Wie auch schon am Vortag begann der Sonntag wieder mit einer lautstarken Weckzeremonie von Thomas B.
Nach einem üppigen Frühstück stand heute ein kleinerer Schacht in der Nähe des Tagschachtes auf dem Programm. Aus Erzählungen der Entdecker konnten wir entnehmen, dass es hier ca. 20m in die Tiefe gehen sollte bevor der Weiterweg am Schachtboden mit Eis versperrt ist.
Wie auch schon bei der letzten Tour endete für mich der Abstieg leider schon bevor es richtig losging.
Irgendwie kam ich einfach nicht durch die Zustiegsöffnung. So blieb mir nichts anderes übrig als zuzusehen wie meine zwei Kameraden nacheinander im Schacht verschwanden um diesen zu vermessen. Die Zeit nutzte ich natürlich um mich ein bisserl in der Schneekegelhalle umzusehen. Dabei fiel mir ein Durchstieg in der Wand auf. der bisher immer durch Eis unerreichbar gewesen war. Nach einem ersten Blick durch die Öffnung war klar, dass es dahinter weiter gehen musste und ich soeben einen neuen Raum entdeckt hatte.
Da der Durchstieg jedoch sehr verbrochen aussah, beschloss ich erstmal umzudrehen und auf die anderen zu warten.
Die hatten inzwischen den Schacht bis zum Boden vermessen und machten sich auf den Rückzug aus dem Schacht.
Eine kurze Lagebesprechung ergab, dass noch immer ein dicker Eispanzer den Weiterweg in die Tiefe versperrt.
So ging’s dann zurück zum ca. 5min entfernten Biwak, wo wieder der Völlerei nachgegangen wurde.
Nach Beendigung dieser ging es dann nochmals zurück zum Schneekegel, wo ja noch immer die freigelegte Öffnung auf uns wartete.
Leider mussten wir schnell feststellen, dass es nicht groß weitergeht und nach ca. 10m schon das Ende erreicht ist.
Dies hielt uns jedoch nicht davon ab auch hier noch ein paar Messzüge zu legen und den Teil mit in unseren Plan aufzunehmen. Da wir wider Erwarten nun doch schon früher als geplant den Rückzug antreten mussten, beschlossen wir kurzerhand noch die Biwakplanen neu einzubohren. Das Unternehmen erwies sich jedoch als leichter gesagt als getan und so dauerte es dann auch knapp drei Stunden bis alles fertig war. Natürlich musste die Einweihung gebührend gefeiert werden und so gingen wir mal wieder unserer Lieblingsbeschäftigung, dem Schlemmen nach.

Wie sollte es auch anders sein, auch am Montag früh wurden Thomas S. und ich wieder durch einen rumhüpfenden, lärmenden Thomas B. aus dem Schlaf gerissen. Diese unruhige Seele konnte es nicht erwarten, dass wir das Biwak zusammenpackten und den Abstieg antraten. Hier wurden wir allerdings dann von einer inzwischen weißen Landschaft überrascht. So machten wir uns im leichten Schneetreiben auf und verabschiedeten uns ein letztes Mal für dieses Jahr vom Almberg.

Nach einem kurzen Stopp bei Robert in Bad Mitterndorf, der uns dankenswerterweise die Pläne der Almberg Eis- und Tropfsteinhöhle zur Verfügung stellte, ging es dann mit der Gewissheit im kommenden Jahr wieder zurückzukommen, nach Hause.

Alles in allem ging damit eine sehr erfolgreiche, spannende und schöne Höhlensaison 2006 zu Ende.

An dieser Stelle sei auch nochmals ein besonderer Dank an den Verein für Höhle Obersteier gesagt, der uns nun schon seit mehreren Jahren die Forschung in diesem Gebiet ermöglicht. Sowie an Heidi und Gernot, die uns seit diesem Jahr (hoffentlich auch in Zukunft) immer ausgesprochen gastfreundlich im Appelhaus aufgenommen haben und uns beim Materialtransport sehr unterstützt haben.

Text: Sven Wölfel
Fotos:Sven Wölfel
05. November 2006 | Tags: | Kategorie Almberg-Höhlensystem


Stand der Vermessungsarbeiten Oktober 2006 II Erste Annäherung an das Riesenhöhlensystem AHS

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