Vor drei Wochen hatten wir schon festgestellt, dass wir trotz meterhohem Schnee, schon wieder den Almberg bezwingen können. Die neue Forschungssaison war eingeläutet und so gab es auch keinen guten Grund am letzten Wochenende nicht wieder eine Tour ins AHS zu planen. Dank des Feiertags am Donnerstag, konnten wir bereits Mittwoch Abend Richtung Bad Mitterndorf jetten.
Wir kommen spät an, aber nicht zu spät, um nicht noch im „Take five“ abzusacken (für alle nicht ortskundigen: da rockt das Mitterndorfer night-life)
Nach einer kurzen Nacht im Vereinsheim des VHO steigen wir Donnerstag früh auf. Auch dieses Mal noch müssen wir die letzten hundert Höhenmeter auf Schnee zurücklegen, bevor es über die weiten Schneeflächen des Plateaus zum Eingang geht. Ab ins Biwak, ausruhen, essen, Mittagsschlaf…
Nachmittags noch eine Tour durch die alten Teile der Schneekegelhöhle, Eishöhen an den Messstationen messen und im Eiscrusher einen zusätzlichen Expressanker von Hand setzen.

Aufstieg

Schwertergang



Um für den nächsten Tag fit zu sein, gehen wir bald schlafen. Wir haben uns vorgenommen an der Stelle weiter zu vermessen, an der wir vor drei Wochen aufhören mussten. Der Weg dorthin wird jedoch immer länger und anstrengender. Obwohl wir sehr schnell vorankommen, brauchen wir zwei-einhalb Stunden vom Biwak aus. Die neu zu vermessenden Gänge sind wie immer beeindruckend: weitläufig verzweigt, technisch anspruchsvoll und optisch sehr hübsch. Viele Tropfsteine, imposante Schächte, viel Wasser. 9 Stunden später treten wir wieder den Rückweg an. Wir wählen dazu eine andere Route als den Hinweg und stoßen im Schwertergang auf einen Tropfwasserschacht, der diesen einfach in der Mitte durchtrennt. Um ihn queren zu können müssen wir eine Traverse einbauen. Weil wir aus Gewichtsgründen aber auf die Bohrmaschine verzichtet haben, müssen wir die Anker dazu von Hand schlagen… Nach 14 Stunden Höhlentour sind wir wieder müde, aber zufrieden, im Biwak.

an einer Schachtmündung im nördlichen Teil der AET

Gangprofil in der nördlichen AET



Entsprechend vergeht der Vormittag des nächsten Tages mit Regenerationsarbeit. Wir entscheiden uns für eine sanftere Tour und erkunden einige Abzweige nordwestlich des Scherbensiphons. Prompt haben wir Glück und gelangen in weiträumige Gangfortsetzungen Richtung Norden, die stark bewettert sind. Obwohl wir Befahrungsspuren finden, sind diese Teile eigentlich unbekannt. Auf keinem Plan und in keinem Bericht sind sie erwähnt.
Sonntag Mittag betreten wir wieder die Erdoberfläche und genießen beim Abstieg ein paar Sonnenstrahlen. Vollgestopft mit neuen Eindrücken fahren wir nach Hause. Das System AHS wird immer komplexer und plastischer und allmählich bekommen wir eine Ahnung von der Dimension unseres Forschungsprojekts. Wir kommen wieder! Bald!

Schacht im Schwertergang

Team (v.r.n.l. Thomas Schneider, Jutta Schnabl, Thomas Weingärtner)



Text: Thomas Schneider / Bilder: Thomas Schneider, Thomas Weingärtner
26. Mai 2008 | Tags: , , | Kategorie Almberg-Höhlensystem


Almberg – extreme Windloch Großmeinfeld

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