Teilnehmer:

  • Sven Wölfel, FHKF
  • Nils Naarmann, FHKF
  • Thomas Schneider, FHKF
  • Thomas Bayn, FHKF
  • Thomas Weingärtner. FHKF

Mittwoch, 14. Juni
Sven und ich sind schon heute Vormittag aufgebrochen, somit sind wir schon gegen Mittag in Grundlsee an der Talstation der Materialseilbahn des Appelhauses. Wir beladen die Gondel mit unserem Gepäck und dem Vorausgepäck der Erlanger Crew, die erst abends hier ankommt und noch in Bad Mitterndorf übernachtet. Als wir mit dem Beladen fast fertig sind, kommt Heidi (die Hüttenwirtin) vorbei und lädt noch ein paar Sachen zu. Freundlicherweise nimmt sie uns auch noch ein paar Kehren mit dem Auto den Berg hinauf mit. Dann machen wir uns gemeinsam an den Aufstieg zum Appelhaus. Oben am Almberg liegt noch eine geschlossene Schneedecke. Pfingsten hat es noch einmal 1,40m Neuschnee gegeben. Wir stapfen also in ca. 3 Stunden zum Appelhaus. Dort werden wir von Gernot samt Hund begrüßt und mit Getränken versorgt.
Donnerstag, 15. Juni
Nach einem sehr familiären Frühstück in der Küche (noch sind wir die einzigen Gäste) geht es in Richtung Schneekegelhöhle los. Wir wollen uns mit der E-Crew um 11.00 Uhr am Höhleneingang treffen. Die steigt mit Restgepäck vom Grundesee her auf.

Im Eingangsbereich liegt Schnee, aber der Zugang ist frei. Wie zu erwarten sind wieder viele Eisfiguren in der Höhle. Durch die Schneeschmelze an der Oberfläche tropft es auch in der Höhle sehr stark. So macht z.B. der Regendom seinem Namen alle Ehre.

Heute installieren wir unsere Trinkwassergewinnung, die im Großen und Ganzen aus einer Auffangplane und einem 60l Ovalfass besteht. Somit dürfte auch in trockeneren Zeiten immer genügend Wasser zur Verfügung stehen.

Es werden noch einige kleine „Altlasten“ vermessen. Die „Eisige Falle“, der „kleine Eissee“ und die oberen Teile des „Tiefen Canyon’s“. Abends geht es dann wieder zurück zum Appelhaus, wo wir aufs beste verköstigt werden.

Freitag, 16 Juni
Am Morgen erleben wir eine schöne Überraschung: Es ist ein Frühstücksbuffet aufgebaut, mit allen erdenklichen Leckereien. Nach der Morgenvöllerei geht es wieder Richtung Höhle. Wir nehmen wieder Gepäck mit. Teilweise deponieren wir schon Lebensmittel für die Haupttour in der Höhle.

Heute sind die unteren Teile des tiefen Canyons zum Vermessen angesagt. Aber schon der Einstieg bereitet Probleme. Nach einem engen Duchschlupf geht es erst einmal 2m in einer Spalte in die Tiefe. Dort muss man sich dann horizontal durch eine zweite Engstelle durchzwängen. Problematisch ist, dass es nach dieser Engstelle ca. 8m senkrecht großräumig in die Tiefe geht. Ich versuche also, mit der Bruststeigklemme am Seil gesichert, die Engstelle zu überwinden. Erst will es mir gar nicht gelingen, aber nach einigen Versuchen bin ich fast durch, Es fehlen nur noch die Beine. Aber das ist auch schon das Problem. Um sie weiter zu bekommen, müsste ich mein Knie nach vorne abwinkeln. Also wieder zurück. Ich gebe auf. Als nächster kommt Nils dran. Er zwängt sich ins Loch, der Croll knirscht am Fels, auch ihm mag der Durchstieg nicht gelingen. Nun versucht es auch Thomas S. Nach einigen Turnübungen hat er es geschafft, und ist auf der anderen Seite. Es sei ganz einfach. Im Vertrauen auf seine Aussage will ich es auch noch einmal versuchen. Also noch mal andersherum hinein, und Zentimeter für Zentimeter vorgearbeitet. Dummerweise verjüngt sich das Loch nach unten, das heißt, wenn man sich etwas ausruht, rutscht man nach unten und steckt wieder fest. Irgendwann habe ich genug von der Enge und möchte wieder zurück. Doch das will auch nicht mehr so einfach gehen. Also mit den Händen an der Wand abstützen, sich hochdrücken mit den Füßen irgendwo Halt suchen, drücken, ruckeln, schieben. Es geht nur unmerklich weiter. Warum musste ich mich nur in dieses Loch zwängen? Ruhe bewahren – keine Hektik. Mal kurz das Gewicht verlagern, ich rutsche wieder nach unten und plötzlich bin ich durch. Ich habe es geschafft! Nun noch den Abseiler eingebaut und die 8m am Seil nach unten. Nils verzichtet auf einen weiteren Versuch. Er bleibt oben. Somit vermessen wir zu zweit den Rest des Tiefen Canyons. Es geht zickzackförmig in einer Spalte in die Tiefe. Am Ende das Canyons plätschert ein kleiner Wasserfall von oben herab. Das Wasser versickert in der Kluft. Auf dem Rückweg ist die Engstelle noch einmal anstrengend, wird aber schnell überwunden. Nils erwartet uns schon sehnsüchtig. Schließlich hat er gut eine Stunde in der Kälte auf uns gewartet.

Nach der Vermessungsarbeit schauen wir uns noch die Eisstromhalle an. Hier ist wieder das Kamel gewachsen. Aber in der Eisschräge hat sich ein Loch gebildet, in dem Wasser steht. Am Eissee ist die Eisnadel wieder zu einer beachtlichen Säule angewachsen, doch am Eissee selber ist seit dem Herbst Eis abgeschmolzen. Hier wird der Eisschwund wohl weitergehen.

Abends geht es dann wieder zurück zum Appelhaus. Es taut an allen Ecken und Enden. Der Schnee ist sulzig und das Laufen geht beschwerlich.


Samstag, 17. Juni

Heute geht es nach dem reichhaltigen Frühstück wieder los. Es ist geplant die hinteren Teile der Höhle zu befahren. Das bedeutet Neuland. Es geht also über den Eissee hinab in die neuen Teile durch den Dickdarm bis zum Frankenschacht. Dann weiter bis zum Kawummschacht. Dort bohren wir eine neue Hauptaufhängung ein. Ab jetzt geht es die knapp 30m frei am Seil hinab. Als wir alle 5 unten sind geht es an Loch Ness vorbei durch das Sandgebläse, wo uns der Wind um die Ohren pfeift. Wir schießen noch schnell ein Gruppenfoto am letzten Messpunkt. Ab hier wird neu vermessen. Der Gang geht noch ca. 35 m weiter und mündet dann in einem Kluftkreuz in den „Great Canyon“, der aber nicht wie erhofft großräumig weiterführt, sondern nach 8m einfach aufhört. Etwas entäuscht suchen wir nach anderen Fortsetzungen. Hier muss es doch weitergehen, wo käme sonst die starke Bewetterung im Sandgebläse her. Wir finden noch eine Fortsetzung nach oben, die wir uns aber für spätere Touren aufheben. Gegen 6 Uhr machen wir uns auf den Rückweg.
Der Aufstieg am Kawummschacht ist ziemlich anstrengend, doch nach knapp 2 Stunden hat uns das Tageslicht wieder.

Ich nehme mein ganzes Gerödel samt Altkarbit mit zum Appelhaus und hoffe, dass wir unser Gepäck mit der Gondel nach unten befördern können. Kurz bevor wir das Appelhaus erreichen, fängt es zu regnen an. Es ist mir egal. Der Rucksack drückt, und ich überlege, ob es eine gute Idee war das ganze Zeug heute mit zum Appelhaus zu nehmen. Wenn die Gondel nicht fährt, muss ich morgen alles wieder den selben Weg zurücktragen.

Sonntag, 18. Juni
Am Sonntag macht die Erlanger Crew noch Bestandsaufname von Material und Lebensmitteln , während Sven und ich schon den Rückweg antreten. Netterweise haben wir unser Gepäck doch mit der Gondel herunterschicken können.

Durch die Übernachtungen auf dem Appelhaus haben wir natürlich in der Höhle nicht ganz so viel geschafft, wie sonst, aber es hat sich gelohnt. Die Hüttenleute Heidi und Gernot sind sehr nett, außerdem ist das Essen hervorragend und die 3Std. Lauferei jeden Tag haben unserer Kondition auch nicht geschadet.

Wir haben an den drei Tagen in der Höhle knapp 48m Neuland vermessen und ca. 120m alte Teile nachvermessen.
Text: Thomas Bayn
Fotos:Sven Wölfel

21. Juni 2006 | Tags: , | Kategorie Almberg-Höhlensystem


Sicherheitslücken bei Petzl Steigklemmen Stand der Vermessungsarbeiten Juni 2006

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