Nachdem es bereits zahlreiche Berichte von abenteuerlichen, waghalsigen und spannenden AHS-Befahrungen gibt, bei denen die Forscher der FHKF mehrere Tage in der Dunkelheit und Kälte ausharren, um der Wissenschaft einen kleinen Beitrag über dieses Höhlenwunder liefern zu können, wird dieses Mal von einer etwas „gemütlicheren“ Tour berichtet. Diese umfasst keine Übernachtungen im Biwak bei 2°C mit Nudelsuppe und heißem Tee. Vielmehr beschreibt sie einzelne Tagestouren, unterbrochen durch Übernachtungen in den gemütlichen Betten des Appelhauses mit hervorragender Bewirtung. Daher mag sie dem einen oder anderen als „Weichei-Befahrung“ erscheinen. Dennoch ist sie sicher von nicht weniger Adrenalin, Spannung und Abenteuer geprägt als die herkömmlichen Touren und erwies sich als perfekt für ein erstes Kennenlernen des unglaublichen AHS im Toten Gebirge!

Dienstag, 19.08.2014
Zu dritt – Thomas Bayn, sein Sohn Michel und ich – starten wir am Dienstagabend von Nürnberg. Der Opel Corsa wird bis zum Anschlag vollgeladen, wir pressen uns dazwischen und los geht‘s. Bad Mitterndorf ist gegen Mitternacht erreicht und im Vereinsheim fallen wir mit Vorfreude auf die nächsten Tage schnell in tiefen Schlaf.

Michel im Aufstieg zur Spaltenhalle

Michel im Aufstieg zur Spaltenhalle

Mittwoch, 20.08.2014
Nach einem gemütlichen Frühstück im Schäfflbeck gehts auch gleich weiter zur Seilbahn. Dort laden wir alles Geraffel, außer das für die Höhle Benötigte, auf und machen uns gegen 11.00 Uhr an den Aufstieg. Das Wetter ist grau, aber trocken, im Grunde perfekt für den durchaus anspruchsvollen Weg nach oben. Gegen halb drei ist es dann soweit – wir betreten den Einstieg zur Schneekegelhöhle, einem Teil des AHS. Zum 1. Mal in meinem Leben stehe ich in einem richtigen Biwak. Hmm, gar nicht so ungemütlich! Auf den Felsen fein aufgereiht befinden sich Kochtöpfe und Pfannen, daneben stehen Tonnen, gefüllt mit lebenswichtigen Utensilien wie Keksen, Schokolade und Gummibärchen, daneben ein großer Kanister mit aufgefangenem Wasser, an der Wand hängen säuberlich befestigt Schlaze, Stiefel, Seile, Karabiner, auf einer Leine hängen etliche Isomatten, die sicherlich eine akzeptable Unterlage bieten. Die Nische wird von einer großen Plane überdeckt, um tropfendes Wasser abzuleiten. Insgesamt wirklich ein sehr gemütliches Plätzchen! Wir stärken uns mit Schokolade und frischem, eiskalten Wasser und steigen hinab in die Tiefe. An diesem Tag lerne ich eher enge Stellen der Höhle kennen. Es wird viel gekrochen, gerobbt, geschluft, allerdings – und das ist das Besondere – verbringen wir einen Großteil unserer Zeit auf Eismassen, die sich durch Teile der Höhle ziehen. Schon sonderbar, solche Begegnungen mitten im August! Wir können ca. 25 m neu vermessen und verlassen die Höhle gegen 21.30 Uhr. Der Aufstieg zum Appelhaus ist beschwerlich, es regnet in Strömen, der Boden ist durchweicht und es ist bereits fast stockdunkel. Hin und wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, doch lieber im Biwak geblieben zu sein. Der herzliche Empfang im Appelhaus macht jedoch alles wieder gut. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit erhalten wir noch warmes Essen, Pfannkuchensuppe als Vorspeise, Bratwurst mit Bratkartoffeln und Salat als Hauptgericht. Genießen ist eine Untertreibung für das, was ich an diesem Abend beim Essen empfinde.
Die Nacht verbringen wir im Bettenlager, mit sieben übereinander gestapelten Wolldecken ist es so auch für mich als Verfrorene durchaus angenehm.

Anne vor dem Eiswall der Eisstromhalle

Anne vor dem Eiswall der Eisstromhalle

Donnerstag, 21.08.2014
Am Donnerstag schlafen wir erstmal aus und genehmigen uns dann in Ruhe ein leckeres Frühstück. Danach steigen wir wieder zur Schneekgelhöhle ab und dieses Mal lerne ich die andere Seite kennen, die unsere FHKF-HöFos, die dort regelmäßig forschen, so sehr fasziniert – nämlich die gigantische Seite! Es ist wirklich unvorstellbar, was diese Höhlenwelt im Berg zu bieten hat! Riesige leuchtende Eiswälle mit unterschiedlich gefärbter Schichtung, gigantisch große Hallen, bei denen kein Ende sichtbar ist, einen Fluss (Rio Negro) auf einem Kiesbett, der plötzlich auftaucht, durch die Hallen mäandriert und wieder verschwindet, Strände mit feinstem Sand, eine Klamm, eng umrahmt von sich windenden Felswänden. Jeder Teil meines Körpers wird beansprucht beim Klettern, Kriechen, Spreizen, Hochstemmen, Balancieren, Robben. Die Einseiltechnik kommt etliche Male zum Einsatz. Ich bin dankbar für die häufigen SRT-Übungen, die vom Verein angeboten werden und mir hier in der Tiefe die nötige Sicherheit verleihen. An diesem Tag schütte ich nicht nur einmal eine erhebliche Dosis Adrenalin aus. Ich bewundere Thomas, wie er auch an den unmöglichsten Stellen die Ruhe bewahrt. Michel erweist sich als wahrer Meisterschüler, seine Trittsicherheit, Kraft und vor allem Ausdauer bringen mich zum Staunen. Und wieder gelingt es, ca. 25 m Neuland zu vermessen. Wieder haben wir einen kleinen Forschungsbeitrag geleistet! Zufriedenheit macht sich breit und mein Alltag und der Stress sind weit weg. Dieses Mal erreichen wir das Appelhaus erst gegen halb ein Uhr nachts. Und dennoch gibt es auch heute warmes Essen. Diese Gastfreundlichkeit ist wirklich großartig und alsbald fallen wir in einen tiefen Schlaf.

Freitag, 22.08.2014
Der Freitagmorgen erwartet uns mit Sonnenschein. Wir gehen den Tag sehr langsam an, erstmal ein gemütliches Frühstück. Thomas genießt im Anschluss ein weiteres Nickerchen, Michel und ich nutzen die Zeit zum Bücherwälzen. Für heute steht nur noch der Abstieg an. Wir verfrachten unser gesamtes Geraffel in der Seilbahn und machen uns bei herrlichem Wetter auf den Weg. Natürlich legen wir einen Stopp auf der Brunnwiesenalm ein, um mit Stefan Ikarus ein wenig zu plaudern und ein paar Ziegen zu kraulen. Beim Abstieg begegnen wir weiteren Ziegen und Kühen, genießen die Bergluft und erreichen unser Auto gegen 19.00 Uhr. Thomas entscheidet, die Nacht noch auf der Grazer Hütte zu verbringen. Eine vortreffliche Wahl! Wieder werden wir herzlich empfangen und mit leckerem Abendessen verwöhnt. Wir sitzen mit unserem Gastwirt Gernot bis in den späten Abend zusammen und genießen auch an diesem wunderschönen Flecken Erde einen erquickenden Schlaf.

Samstag, 23.08.2014
Nach einem letzten Frühstück in den Bergen machen wir uns schließlich auf die Heimreise. Thomas darf doch an seinem großen Tag seine Geburtstagstorte nicht verpassen! Ich wundere mich, denn trotz der großen Anstrengungen plagt mich kein Muskelkater – im Gegenteil – ich habe mich lange nicht so fit gefühlt.
Es waren vier herrliche Tage mit unfassbaren Erlebnissen und ich verstehe nun die strengen Warnungen einiger unserer HöFos: „Nimm dich in acht! Das AHS macht süchtig!“.

Text: Anne-Kathrin Maier
Fotos: Thomas Bayn

06. Oktober 2014 | Tags: , , | Kategorie Almberg-Höhlensystem


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